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Im April 1986 zerstörte eine Explosion das Reaktorgehäuse
des Kernkraftwerks in Tschernobyl in der Ukraine. Die Brennstäbe
begannen zu schmelzen und eine radioaktive Wolke, die 30 -
40mal stärker war als beim Atombombenabwurf in Hiroshima
breitete sich bis nach Nord- und Mitteleuropa aus. Die Raumfähre
Challenger explodierte und das Chemiewerk Sandoz in Basel
brannte und vergiftete den Rhein noch mehr als er es schon
vorher war.
Auch in der Popmusik Katastrophen: Modern Talking, Samantha
Fox und "Jeanny". Der sehr umstrittene Hit des Jahres
von Falco handelte von einem Kindermord. Auch die Tatsache,
dass der Titel von den meisten Rundfunkanstalten nicht gespielt
wurde, konnte nicht verhindern, dass "Jeanny" die
meistverkaufte Single des Jahres 86 wurde.
Die Zukunftsängste, die die Katastrophen auslösten
sind in der Popmusik 1986 noch nicht spürbar, dafür
wird im pophistorischen Essay auf eine andere Besonderheit
aufmerksam gemacht: Auffallend viele schwule Interpreten tauchten
im Musikgeschäft auf. Die meisten Paradiesvögel
mit schrillen Outfits kamen aus der Londoner Clubszene. Andy
Bell der Sänger von "Erasure" trat im Gummianzug
mit Engelsflügen auf. Dass sie so erfolgreich wurden
lag allerdings nicht nur an den schrillen Outfits, sondern
auch an den zuckersüßen Synthesizer-Melodien.
Tod und Verzweiflung sind die Themen mit denen sich der Australier
Nick Cave in seinen Songs auseinandersetzt. Auf der CD 1986
ist er mit einer Cover version des Melodramas "Something's
gotten hold of my heart" zu hören. Weniger dramatisch,
die drei Girls von "Banarama". Die drei Freundinnen,
die immer behaupteten nur aus Spaß zu singen hatten
in ihrer Karriere 24 Singles in den britischen Charts. Eine
andere Girlgroup, die "Bangles" klingen zwar beschwingt
in "Manic Monday", aber der Inhalt ist alles andere
als heiter. In dem Song, der von Prince unter einem Pseudonym
geschrieben wurde, geht es um die nationale Depression unter
Ronald Reagan. "Employments down", es wird niemand
mehr fest angestellt in den USA. Das Mädchen, das der
Bahn nachrennt, hat Angst zu spät zu kommen und ihren
Job zu verlieren.
Der Amerikaner Stan Ridgway behauptet von sich, als Bauchredner
angefangen zu haben. In "Camouflage" einem Lied
das wie ein Cowboysong klingt, erzählt er die phantastische
Geschichte eines Soldaten der während des Vietnamkriegs
in einen Hinterhalt gerät. Ein Soldat namens Camouflage
rettet ihn, indem er Kugeln mit der bloßen Hand fängt.
Als der Soldat unversehrt zu seiner Einheit zurückkehrt,
erfährt er, dass der Soldat Camouflage in der Nacht zuvor
gestorben ist. Das journalistische "Fundstück"
ist ein Interview mit Morrissey, dem Songschreiber und Sänger
von "The Smiths". In dem Interview äußert
sich Morrissey kritisch und klug zur Amerikanisierung seiner
britischen Heimat. Auf der CD 1986 ist er vertreten mit "Never
goes out". Im Text eine wirklich originelle Liebeserklärung:
"And if a ten-ton truck kills the both of us, to die
by your side the pleasure and the privilege is mine."
(Würde uns jetzt ein Zehntonner überrollen, blieben
mir die Freude und das Privileg, an deiner Seite zu sterben).
Very british
[Autorin: Petra Schwertfechter]
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