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Klaas' Kosmos
Trauer sucht Frau
Klaas Heufer-Umlauf heißt der "relativ gutaussehende" (Klaas über Klaas) junge Mann, den ihr jeden Donnerstag zwischen 14 und 16 Uhr bei Bremen Vier hört. In seiner Kolumne "Klaas' Kosmos" schreibt der Viva-Moderator regelmäßig über Trends, Lifestyle(s) und Events im Musikgeschäft. Das Ganze gibt's hier zum Nachlesen und natürlich exklusiv als Bremen-Vier-Podcast!
Acht Millionen Menschen saßen am Montagabend vor dem Fernseher. Zur Verdeutlichung: Das ist zum Beispiel die Zahl der Arbeitsplätze, die Experten zufolge durch die weltweite Finanzmarktkrise vernichtet werden, jeder zehnte Deutsche oder komplett Österreich. Da fragt man sich zu Recht: Was lief denn da Tolles im Fernsehen? Die Mondlandung? Die Vorhersage der Lottozahlen von nächstem Samstag? Nein, etwas viel Besseres: Das große Finale von "Bauer sucht Frau"! Wieder hatte es RTL geschafft, einen Haufen argloser Landwirte dazu zu bringen, ihr idyllisches, harmonisches Landleben gegen eines von herzlosen Fernsehmonstern straff durchorganisiertes Boulevardchaos zu tauschen. Hochtoupierte Reporterinnen, die mit ihren Pumps im Acker stehen und ständig Dinge sagen wie: "Jetzt küsst euch nochmal, jetzt frag sie mal, warum sie dich nicht liebt, und hattest du mir nicht vorhin im Vertrauen erzählt, dass sie dir einfach zu fett ist, Heinrich?"
Aber von vorne. Warum sollten die so etwas machen? Naja, die Inka Bause kommt ja nicht mit leeren Händen. Der Deal ist: "Du lieber Bauer, öffnest uns alle Türen, die dir so zur Verfügung stehen. Also die zu deinem Haus, zu deinem Stall, zu deinem Herz, zu deinem Gehirn, zu deiner Seele und zu all deinen perversen Abgründen, die da so in einem schlummern, wenn man viel alleine bei den Hühnern im Stall ist. Und wir bringen das mit, was du hier niemals finden würdest: eine echte Frau, mit allem was dazugehört: Mit langen Haaren, roten Lippen und schönen Namen wie Petra, Biggi oder Monika. Dafür gehörst dann jetzt uns, machst alles, was wir sagen und wenn wir rülpsen, sagst du Danke. Abgemacht?" Und mit der vagen Aussicht auf bessere Zeiten, wenn die Besatzung wieder abrückt und weit weg ein anderes Dorf in Brand steckt, sagen einige Bauern zu.
Milchbauern sind nicht lustig
Es beginnt die so genannte Hofwoche. Die Frauen werden bei den jeweiligen Bauernhöfen abgeliefert, und es drängt sich einem der Eindruck auf: Nach einigen fehlgeschlagenen Versuchen bei Sendungen wie Frauentausch, Zwei bei Kallwass, Oliver Geißen oder der MDR Kuppelshow "Je t’aime – wer mit wem?" ist "Bauer sucht Frau" nun wirklich der letzte Strohhalm, an den sich geklammert wird. Wie sonst könnte man erklären, dass dort erwachsene Frauen eine ganz Woche lang um so einen eigenwilligen Kauz herumtanzen und sich um dessen Zuneigung bemühen, während dieser in 90 Prozent der Fälle entweder überhaupt nicht mit ihnen redet, sie wahlweise anschreit, weil sie zum Beispiel die Rinde vom guten Graubrot nicht mitessen wollen oder ihnen in einem Anflug von Romantik, während die Sonne hinter der Kuhweide verschwindet, ansatzlos und unverhohlen an die Brust greift?
Wichtig für den Zuschauer und für die Identifikation sind Markennamen: Der lustige Milchbauer Michael, Schäfer Heinrich, Rinderbauer Uwe oder eben Hühnerpiiiep Hansi. Wenn es dann allzu langweilig wurde und die Bauern beim Himbeerpflücken fast den Eindruck machten, sie hätten ihre Gäste vergessen, wurde schnell mal so ein Burgbesuch oder Ähnliches angeordnet. "Ihr geht da jetzt hin!" Frei Ion Tiriac: Värtrack ist Värtack.
Da läuft man da ein dann ein bisschen im Kreis, das kennen viele der Kandidaten ja schon vom eigenen Stammbaum. Aber auch die schönste Zeit ist irgendwann zu Ende, und dann heißt es an diversen deutschen Regionalbahnhöfen: Sich noch einmal mit einer ungeschickten Mischung aus Umarmen, Küssen und Handschütteln ein wenig näher kommen. Danach wird sich noch hoch und heilig versprochen: "Ne, also wirklich. Ich meld mich. Du musst auch unbedingt mal nach Pforzheim kommen, dann zeig ich dir das alles!"
Zurück bleibt die intimsphärenverletzende Inka, der beleidigende Bild-Fotograf Ingo und eine Art Erfolgs-Nachlassverwalter irgendeiner Plattenfirma, der jetzt mit Schäfer Heinrichs neuem Song noch zu "Viva Live" fahren soll. Ich übernehme das dann.
In diesem Sinne,
Euer Klaas.



