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Wie ein Bremer mit dem Aids-Virus lebt |
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Ein Betroffener erzählt / Weitere Neuinfktionen
auch im Bremen gemeldet
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Alle zwei Jahre macht sich die Welt Gedanken um eine der größten Seuchen: Aids. Zur Welt-Aids-Konferenz in Mexiko werden fast 22.000 Wissenschaftler, Politiker und Aktivisten erwartet, denn das Thema bleibt wichtig - jedes Jahr kommen fast 2,7 Millionen Neu-Infektionen hinzu. 90 Prozent davon leben in Afrika. Doch auch in Deutschland gibt es Aidskranke - und auch in Bremen ist die Infektion für hunderte Menschen trauriger Alltag. Im kleinsten Bundesland sind fast 900 Menschen betroffen, Tendenz steigend: 40 Infizierte kamen allein 2007 hinzu. Wie lebt man mit dieser Krankheit? Radio-Bremen-Reporterin Dorothee Krumpipe hat einen Bremer Mann besucht, der mit dem Virus infiziert ist. |
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![Sprecherin beim Welt-Aids-Kongress 2008 [Quelle: DPA]](/magazin/gesundheit/aids/_bild/weltaids-kongress.jpg)
Margaret Chan, Direktorin der Weltgesundheitsorganisation (WHO) spricht auf der Internationalen Aids Konferenz 2008 in Mexico
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Eine vermeintliche Grippe
Fünf Hunde tollen gleichzeitig um ihn herum: Nennen wir ihn Paul. Offenes Lachen, dünn, leichte Sommerbräune, die kurzen Haare schon grau. Krank sieht er nicht aus. Er schafft die Strecke in die Innenstadt mit dem Fahrrad in nur 15 Minuten. Es gibt aber auch andere Tage, sagt Paul. Dann schafft er es nicht mal vor die eigene Haustür. Seit elf Jahren hat Paul Aids.
1997 ist er zum Arzt gegangen - mit einer vermeintlichen Grippe: "Das war so: Ich war damals auf der Arbeit und mir ging es sehr, sehr schlecht, ich hatte Fieber, bin zu meinem Hausarzt. Und der hat gesagt: Wir müssen noch mal ein Blutbild machen und als ich die Ergebnisse abholen wollte, hat er gesagt: alles ganz katastrophal du gehst sofort ins Krankenhaus." |
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Infiziert bei der "schönsten Nebensache des Lebens"
Dass Paul zu den Risiko-Gruppen gehört, wusste er. Er ist schwul, nimmt Kondome. Das sei für ihn selbstverständlich gewesen. "Die Schwierigkeit bei Aids ist, dass sie die Menschen bei der schönsten Nebensache des Lebens erwischt. Beim sich lieben, beim Sex haben, beim sich fallen lassen können, beim sich Geborgen fühlen können."
Bei einem Seitensprung ist das Gummi geplatzt. Paul sagt das völlig ohne Groll: So war es eben. So hat er sich infiziert.
Paul: "Ich bin dann mit der Diagnose aus dem Krankenhaus gekommen, das war im August, dass ich Weihnachten nicht erleben werde, wenn die Medikamente nicht anschlagen. Ich hab den Vorteil gehabt, dass gerade in dem Jahr in Vancouver die Dreier-Kombi vorgestellt wurde. Die Medikamente gab es im Prinzip schon. Die Errungenschaft war sie miteinander zu kombinieren. Das war im Prinzip meine Rettungsinsel." |
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![Junge Frauen halten Aids-Schleifen in die Kamera [Quelle: Radio Bremen]](/magazin/gesundheit/aids/_bild/aids_schleife.jpg)
Die rote Schleife - Symbol für
den Kampf gegen die Immunschwäche-Krankheit |
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Medikamenten-Kombination hat Therapiemöglichkeiten verbessert
Die Ärzte sagen inzwischen, dass man dank der Tabletten zumindest HIV mit einer chronischen Krankheit vergleichen kann. Fast wie Rheuma. Oder Diabetes. Paul schüttelt den Kopf. Ist Aids aber erstmal ausgebrochen, sei ein normales Leben nicht mehr möglich. Wegen der Nebenwirkungen. Durchfall. An manchen Tagen ist es so schlimm, dass Paul Windeln braucht. Und wegen der Depressionen, die er vorher nicht hatte. Zwei Selbstmordversuche liegen inzwischen hinter ihm.
"Mein ganzes Leben", erzählt Paul, "hat sich eigentlich geändert. Letztendlich war das der Grund, weshalb ich mich auch von meinem Partner getrennt habe. Beruflich: Ich habe meinen Job verloren. Mit der Begründung, ich hätte meine Arbeit nicht gut gemacht, hatte aber noch ein halbes Jahr vorher eine dickes Lob von meinen Chefs bekommen und eine Gehaltserhöhung." |
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![Sich aus einer Immunzelle herauslösendes Aids-Virus [Quelle: nih.gov]](/magazin/gesundheit/aids/_bild/immun-zelle.jpg)
HI-Virus, das sich aus einer Immunzelle herauslöst |
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Aids ist keine normale Krankheit
Es gibt Freunde, die sich abwenden nach der Diagnose. Andere umarmen ihn nur nicht mehr. Kein Kuss zur Begrüßung. Ohne seine Hunde würde er wirklich nicht mehr leben, sagt Paul. Mit Hartz IV kommt er nur knapp über die Runden. Jetzt kämpft er für eine Frührente. Gerne würde er wieder arbeiten, aber eine Rückkehr in den Beruf sei unvorstellbar. Körperlich. Aber auch weil Aids eben keine normale Krankheit ist.
"Ich hab früher in der Gastronomie gearbeitet. Und jetzt stellen sie sich mal vor, wenn ich im Restaurant sage ich habe Aids. Das wäre ein Todesurteil für das Restaurant, oder?", sagt der Bremer Betroffene.
Aids brauche Gesichter, sagt Paul. Vor allem, weil die Angst vor der Krankheit wieder nachgelassen habe.
"Was ich schlimm finde, ist dass die Gleichgültigkeit größer geworden ist. Aids ist therapierbar, aber nicht heilbar. Traurig, dass die Infektionen wieder zunehmen." |
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![Grafik Aids-Virus [Quelle: DPA]](/magazin/gesundheit/aids/_bild/virus_300_dpa.jpg)
Die Grafik erläutert den Vermehrungszyklus von HIV-Viren im Blut. |
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Hochaktive antiretrovirale Therapie
Die "Dreierkombi", von der Paul glaubt, sie habe ihn gerettet, wurde 1996 vorgestellt. Es handelt sich um eine moderne Behandlung der HIV-Infektion mit drei verschiedenen Medikamentenmit dem Namen HAART: hochaktive antiretrovirale Therapie. Mit dieser Dreier-Kombinations- Therapie kann die HIV-Infektion blockiert werden - das Abwehrsystem bekommt die Möglichkeit, sich zu erholen. Damit kann die Lebensqualität der Betroffenen erhöht werden.
Heilbar ist Aids jedoch nach wie vor nicht, und eine Behandlung mit Medikamenten ist aufwendig, nebenwirkungsreich und teuer. Die große Mehrheit der Infizierten, die in der Dritten Welt und vor allem in Schwarzafrika leben, haben keinen Zugang zu Aids-Medikamenten. Deshalb ist die Aufklärung und die Prävention von größter Bedeutung. An einem Impfstoff wird nach wie vor geforscht, es kann jedoch noch Jahre dauern, bis die Forschungsergebnisse erfolgreich sind. |
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Deutsche
AIDS-Hilfe e.V. |
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