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Bremer Literaturpreis 2009 an Martin Kluger |
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Verleihung während der Literarischen Woche |
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Es mag eine ungewöhnliche Entscheidung sein, dem 1948 in Berlin geborenen Autor Martin Kluger den Bremer Literaturpreis zuzusprechen, aber das mutige Votum der verantwortlichen Jury hält jeder Überprüfung stand. Denn Martin Kluger, der in diesem Jahr ebenfalls den Candide-Preis erhält, ist ein ungewöhnlicher und ein außerordentlicher Schriftsteller dazu.
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![Martin Kluger [Quelle: DPA]](/magazin/kultur/literatur/bremer_literaturpreis/_bild/2009/kluger_dpa.jpg)
Der Autor Martin Kluger auf der Internationalen Frankfurter Buchmesse (2006). |
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Schreibhandwerk jenseits des Hochliterarischen begonnen
Sein literarisches Handwerk hat er in einem vielfältigen biographischen Reizklima erworben. Nicht nur ist er Kind jüdischer Eltern, die in den dreißiger Jahren vor den Nazis in die USA fliehen mussten, nicht nur hat es ihn immer wieder in alle Welt verschlagen und ihm die Erblast einer grausam zerstörten Familiengeschichte zu spüren gegeben, er hat vor allem zunächst jenseits des Hochliterarischen mit dem Schreibhandwerk begonnen.
Anglistik und Linguistik studierte er zunächst in Amerika, dann in Tübingen und Berlin, war danach Dozent an der Technischen Universität Berlin, betätigte sich als Werbetexter und Übersetzer, schrieb Film- und Fernsehdrehbücher und Hörspiele, und wagte sich erst 2002 mit dem viel beachteten, über tausendseitigen Roman "Abwesende Tiere" an die literarische Öffentlichkeit. Dem folgte der historische Roman "Die Gehilfin" und ein gefeierter Erzählungsband "Der Koch, der nicht ganz richtig war". |
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Schreiber mit hohem Sprach- und Stilvermögen
Die Kritik hat Martin Kluger sehr früh und ausgesprochen positiv wahrgenommen als einen grotesk komödiantischen Schreiber, der mit hohem Sprach- und Stilvermögen begabt, und mit allen Wassern der amüsant-ernsthaften Fabulistik gewaschen ist. Das gilt ganz besonders für den nun in Bremen prämierten Roman "Der Vogel, der spazieren geht", für diese temporeiche und mit spritzigem Amüsement geschriebene Familiengeschichte vor dem Hintergrund des dunkel leuchtenden Schicksals der jüdischen Familie Leiser, oder amerikanisch Still.
Der hochindividualistische und auf extrem intelligente und aberwitzige Weise verkorkste Ich-Erzähler Samuel Leiser macht den Leser zum Zeugen einer tragikomischen Familiensaga, in der die Heil- und Ziellosigkeit des Miteinanderumgehens neben vielerlei Verzweiflungen auch ausgesprochen humoristische Blüten treibt. |
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Familiensaga: "Der Vogel, der spazieren geht"
Samuel, der Sohn des Bestseller-Krimiautors Yehuda Leiser, alias Jonathan Still, flieht vor seinem berühmten und reichen Vater nach Europa, um im Paris der sechziger Jahre so etwas wie Eigenständigkeit oder sogar eine Identität zu finden. Dennoch wird er zum Übersetzer der Bücher seines Vaters, er kommt von seinem Erzeuger nicht los, und der nicht von ihm, schließlich trifft sich die gesamte Patchwork-Un-Familie in Paris zu einem tumultuarischen Beisammensein.
Das Grauen des Holocaust kann man als Nachgeborener nicht einfach nacherzählen, weiß Martin Kluger, es kann nur in seinen mittelbaren Nachwirkungen, in seinen Traumata und Depressionen, in seinen symptomatischen Verzweiflungen und Beziehungsbrüchen spürbar gemacht werden. Vieles bleibt in Klugers Roman deshalb in der Schwebe, es entsteht kein nachvollziehbares Bild der Schuld- und Schamgeschichte der Shoa, sondern ein in vielen Historien, Ereignissen und Personenschicksalen auseinander gefaltetes Mirakel, das man Leben oder auch Biographie nennen könnte.
"Der Mensch bleibt unbegreiflich, seine Widersprüche ungelöst. Darin lag ja gerade der Charme dieses armseligen, auf den Krücken der Technik umherwandelnden Raubtiers, in seinen alten, stinkenden Geheimnissen", heißt es an einer Stelle dieses so hochambivalenten und humoristischen Romans. |
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Das in Bremen prämierte Buch: " Bremen prämierten Roman "Der Vogel, der spazieren geht". |
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Förderpreis für Mathia Gatza: "Der Schatten der Tiere"
Mit dem Bremer Literaturpreis wird nun ein Schriftsteller geehrt, der auf eigentümliche Weise zu den Ausnahmetalenten des humoristischen Schreibens gehört. Salut also dem Preisträger und Anerkennung der Jury. Auch die Zuerkennung des Förderpreises an den 45-jährigen Berliner Lektor und Verleger Mathias Gatza für seinen Debütroman "Der Schatten der Tiere" lässt auf eine mutige Entscheidung der Juroren schließen. Man darf also gespannt sein auf die Bremer Literarische Woche im Januar nächsten Jahres.
[Autor: Harro Zimmermann] |
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