 | Die Horen (Bd. 228): "Die Poesie und ihre Masken" |
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Zeitschrift für Literatur, Kunst und Kritik |
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Poesie will es immer anders sagen. Prosa, das bedeutet Sätze wie: "Ich empfinde Zuneigung zu Dir."
Poesie sagt es so:
Am Montag
Schien die Sonne, und
Deine Brüste
Dufteten nach Lavendel.
Wenn man das Ohr daran schmiege,
hörte man in ihnen Bernstein Musik
von Edvard Grieg.
Und dabei ist das Morgengedicht des Ukrainers Uldazimer Arlou nicht einmal besonders gut. Es geht auch pfiffiger, wie bei Roda Gorman:
Sie ging weg von mir,
weg durch die Drehtür.
aber mit dem Mechanismus
muss etwas nicht gestimmt haben,
denn schon kurz darauf
kam sie zu mir zurück. |
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Gedichte aus Schottland, Weißrussland & anderen Gegenden der (Un)Vertrautheit In jedem Fall geht es darum, etwas Bekanntes so zu sagen, dass es unerhört klingt. Fremd und dadurch neu. Wenn der jüngste Band der Zeitschrift "Die Horen" Gedichte aus "Gegenden der (Un)Vertrautheit" verspricht, dann meint dies also nicht allein die Herkunftsländer der Autoren. Schottland und Weißrussland, die im Mittelpunkt des Bandes stehen, sind zwar Weiße Flecken auf der lyrischen Landkarte vieler Lyrikfreunde. Doch bedeutet dies nur, dass hier eben zweimal auf Entdeckungsreise zu gehen ist. |
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Lyriker im Kampf um ihre sprachliche Heimat Dies umso mehr, als die zeitgenössische Lyrik beider Länder auch auf unvertrautem Terrain agieren muss, weil sie um ihre sprachliche Heimat kämpfen muss. Dabei haben es die schottischen Poetiker noch vergleichsweise gut. Ihr originäres Scots oder Gälisch isoliert sie zwar, trägt aber die Weihe der Kultursprache. In Weißrussland dagegen, konnten sich die Autoren spätestens seit dem Terror Stalins nicht mehr des Weißrussischen ohne Repression bedienen. Mit dem Effekt, dass heute nur noch ein Viertel aller Weißrussen die eigene Sprache beherrschen. Anlass, für ein Gedicht von Valzyna Mort:
diese sprache existiert nicht
sie hat nicht einmal ein system.
ein gespräch mit ihr zu führen ist unmöglich –
Sie schlägt einem sofort in die fresse.
Selbst an feiertagen
Bringst du diese sprache nicht unter die leute.
Umso verdienstvoller und gleichzeitig selbstwidersprüchlich aufrichtig ist der Versuch, im jüngsten Horen-Band mit dem Titel "Die Poesie und ihre Masken" ausgerechnet diese sprachlich fragilen Gebilde zeitgenössischer Lyriker aus Weißrussland und Schottland einem deutschen Publikum in Übersetzung, also einer fremden Sprache, vorzustellen. |
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Buchtipp-Archiv |
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Druckversion |
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Die Horen (Bd. 228): "Die Poesie und ihre Masken", Gedichte aus Schottland, Weißrussland & anderen Gegenden der (Un)Vertrautheit,
Wirtschaftsverlag Bremerhaven 2007,
€ 14.-
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