 | Mikael Niemi: "Der Mann, der starb wie ein Lachs" |
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Krimi im schwedischen Tornedal mit eigensinnigen Bewohnern |
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Dass Großstädter etwas anders ticken als Landeier, ist kein Geheimnis. Dass das Leben auf dem Land manchmal wundersame Blüten treibt, womöglich auch nicht. Geheimnisvoll ist jedoch eine Gegend in Nordschweden, der der Schriftsteller Mikael Niemi gewissermaßen ein Denkmal setzt: dem Tornedal, das schwedisch-finnische Grenzgebiet. |
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Mikael Niemi aufgewachsen, einer der beliebtesten Schriftsteller Schwedens Bedächtig rollen die Kunden des Dorfladens die Einkaufswagen zu ihren Autos. Eilig hat man es in Pajala eher selten. Der schäbige einstöckige Konsum ist der Mittelpunkt des Dorfes. Auf dem Rasen gegenüber sitzen manchmal Jugendliche und spielen Gitarre. Sonst passiert nicht viel in Pajala, 200 Kilometer nördlich des Polarkreises. Hier ist Mikael Niemi aufgewachsen, einer der beliebtesten Schriftsteller Schwedens.
Ein paar Jahre hat er auch mal in der Provinzhauptstadt Luleå gelebt, aber dann zog es ihn zurück in die Heimat, nach Pajala, 2.000 Einwohner, Herz des Tornedals. "Wenn man Schriftsteller ist, sollte man darüber schreiben, was man kennt. Ich kenne das Tornedal in- und auswendig. Ich kenne die Kultur und sehe viel", sagt Mikael Niemi. |
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Menschen, die etwas anders sind Der schmächtige Schriftsteller mit den tiefliegenden Augen beobachtet vor allem die Menschen. Menschen, die etwas anders sind als im Rest des Landes. Merkwürdig in sich zurückgezogen, so beschreibt er sie in seinem neuen Bestseller "Der Mann, der starb wie ein Lachs".
Niemi liest: "Die Kerle sind wirklich anders hier... Hier sahen die Visagen wie Kartoffeln aus. Kartoffeln mit Basecap und Kartoffeln ohne Basecap. Wenn sie sich in ihren Autos begegneten, grüßten sie einander mit einem merkwürdig verdrehten Seitennicken, ein Zucken, als ob ein Fußball auf der Schläfe gelandet wäre. Wenn sie sich außerhalb ihrer Autos befanden, sah man nie dieses seitliche Nicken. Da nahmen sie durch kleine Grimassen Kontakt zu einander auf. Jaha. Du auch hier? Nur Signale, dass man sich wieder erkannte und nicht feindlich gesonnen war." So sieht Kommissarin Helene Fosness die Männer aus Pajala. |
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Spektakulärer Mordfall in der Einöde Die Hauptfigur in Mikael Niemis neuem Krimi wird für einen spektakulären Mordfall abgeordnet in den Norden. Sie kommt aus Stockholm, mehr als 1.000 Kilometer südlich, aus einer pulsierenden europäischen Großstadt. Pajala dagegen ist umgeben von riesigen Sümpfen und Wäldern. Hier schlägt höchstens der Puls der Wildnis - das muss die Kommissarin aus der Großstadt mühsam lernen.
Mikael Niemi beschreibt seine Figur: "Für sie ist das ein ziemlich großer Kulturschock. Sie ist ihr ganzes Leben herumgereist und hat keine richtigen Wurzeln. Dann kommt sie hierher, wo die Leute finnisch sprechen. Sie versteht kein Wort, sie kann mit der Mentalität nichts anfangen. Sie trifft einen Tornedaler, den Hauptverdächtigen, und durch ihn lernt sie die Kultur kennen." |
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Leitmotiv: Die Unterdrückung der eigenen Kultur Im Tornedal sprechen die Leute finnisch, genauer gesagt Tornedals-Finnisch oder Meänkieli, was "unsere Sprache" heißt. Eine Jäger- und Fischergesellschaft, geprägt vom Leben an den Ufern des Torne Älv, der Torneflusses, wo man den Lachs auch heute noch traditionell mit einer fünfzackigen Fischgabel fängt.
Kein Wunder, dass der Mörder mit dieser Gabel auch das Opfer im Krimi aufspießt: "Das Opfer Martin Udde ist pensionierter Zollbeamter und ein richtiges Scheusal. Das Opfer ist ein Symbol für die erfolgte Unterdrückung. Obwohl er Tornedaler ist, hasst er die finnische Sprache und Kultur."
Die Unterdrückung der eigenen Kultur - das ist das Leitmotiv von Niemis Krimi und hat auch die Tornedaler lange beschäftigt. Meänkieli war in der Schule verboten, galt als hässlich, nicht salonfähig. Seit sieben Jahren ist Meänkieli jetzt als Minderheitssprache anerkannt.
Und Mikael Niemi ist genau wie seine Mitbürger stolz auf die ganz spezielle Mischung der Kulturen am Polarkreis: "Wir sind eine europäische Kultur, die aus dem Osten kommt, aus Asien, die finnisch-ugrische Kultur. Die germanische Kultur in Schweden kommt ja aus dem Süden, der indoeuropäische Volksstamm. Die Völker lebten ewige Zeit voneinander getrennt, bis sie hier oben aufeinander trafen." |
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Geschichtsunterricht mit guter Absicht In der Realität hat das allerdings nicht zu Mord und Totschlag geführt, wie in Mikael Niemis Krimi. Der wirkt manchmal etwas bemüht und konstruiert – Geschichts-Unterricht mit guter Absicht. Zum Glück aber glänzt "Der Mann, der starb wie ein Lachs" auch wieder mit dem schön schrägen Tonfall, für den Mikael Niemi ganz zu recht berühmt geworden ist. |
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![Buchcover [Quelle: Norstedts Verlag]](http://www-origin.radiobremen.de/magazin/kultur/literatur/buchtipps/_bild/00004155.00010190.jpg)
Mikael Niemi: "Der Mann, der starb wie ein Lachs"
Norstedts
Random House, Februar 2008
€ 19,95
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