Zur Startseite von Radio Bremen Zur ARD
         
Zurück zu:Literatur aktuell
         
 
Cecilie Eckler von Gleich: Das Stephaniviertel 1860-1960      
        Ein fotografischer Streifzug      
       
        Schon eine Reihe von Bremer Stadteilbeschreibungen anhand historischer Fotografien hat die Edition Temmen publiziert. Der jüngste Band beschäftigt sich mit dem Stephaniviertel, eine Region westlich der Altstadt, die einige Jahrzehnte nach dem Zweiten Weltkrieg ein Schattendasein führte und nun eine regelrechte Renaissance erlebt. Grund genug, einen Blick in die frühe und sehr lebendige Geschichte des Viertels zu werfen.  
             
        Zerbombtes Stephaniviertel [Quelle: Radio Bremen]
        Im Krieg wurde das Stephaniviertel stark zerstört. Heute erinnert wenig an das Viertel von damals.  
               
 
Zwischen Altstadt, Hafen und Wallanlagen
Das Bremer Stephaniviertel ist eines der ältesten Bremens. In den 30er Jahren des vergangenen Jahrhunderts war es einer der lebhaftetesten Punkte der Stadt, mit Verkehrsstaus am Brill und dem modernsten Kaufhaus der Gegend, dem Kaufhaus Bamberger. Und: Es war wunderschön! Ein neuer Bildband zeigt, wie es einmal aussah im Stephaniviertel. buten un binnen hat Verbindungen zwischen damals und heute hergestellt.
 
     
VideoZwischen Altstadt, Hafen und Wallanlagen, [4'08]
  Von Susanne Brahms.
24. Juni 2008 | buten un binnen
               
 
Über allem: Der Kirchturm von Sankt Stephani
"Steigt man zu dem Kirchhofe hinauf, so wundert man sich über die verträumte Ruhe, die hier plötzlich den Beschauer umfängt. Hoch liegt der doppeltürmige Bau auf der Höhe eines alten Dünenrückens wie eine Insel im brandenden Verkehr - ein Bild der Ruhe und des Friedens, das wir mitten im geschäftigen Treiben einer großen Stadt schwerlich vermuten."

So notierte der beschauliche Spaziergänger vor rund 70 Jahren über die Sankt-Stephani-Kirche inmitten des gleichnamigen Wohnviertels. Die Schwarz-Weiß-Fotos aus jener Zeit zeigen verwinkelte Gassen, ein- und zweigeschossige Häuser prägen das Gebiet zwischen Weser, Wall und der Altstadt.

Über allem ragt der Kirchturm von Sankt Stephani empor, weit sichtbare Landmarke des Viertels und sein Herz - bis heute. Denn trotz der fast völligen Zerstörung während der Bombenangriffe im Sommer 1944 hat der Kirchhof und das umgebende Quartier nach dem Wiederaufbau seine frühere Beschaulichkeit bewahrt.

Buchcover  "Das Stephaniviertel" [Quelle: Temmen]
Cecilie Eckler-von Gleich: "Das Stephaniviertel 1860-1960. Ein Fotografischer Streifzug", Edition Temmen, Oktober 2007
€ 15,90

 
               
 
Einstmals Bindeglied zwischen Häfen und Altstadt
Cecilie von Eckler-Gleich vom Kulturhaus Brodelpott in Bremen-Walle hat lange alte Fotos, Postkarten und Aufzeichnungen über das frühere Stepahniviertel zusammengetragen.

Alles begann mit einem umfangreichen Nachlass alter Bremensien, der dem Kulturhaus vermacht wurde. Und nach ähnlichen Arbeiten über die Stadtteile im Bremer Westen war es nur logisch, dass man sich im Brodelpott nun der Steffensstadt annahm.

Herausgekommen sind 120 Seiten historischer Fotoreise in die Vergangenheit eines Stadtteils, der nach dem Weltkrieg vor allem durch seine Gesichtlosigkeit auffiel. Seine Blütezeit erlebte das Stephaniviertel vor rund 100 Jahren als Bindeglied zwischen Häfen und Altstadt.

Rund um die Packhäuser und Speicher lagen Ladengeschäfte, Gast- und Werkstätten. Das Stephaniviertel war Heimat von Handwerkern, Fischern, Fuhrleuten, Ladeninhabern. Die Fotografien zeigen sie bei der Arbeit, stolz im Sonntagsstaat oder fast unbeobachtet beim Kartenspiel in der Kneipe.
 
             
        Faulenstraße in den 1930er Jahren [Quelle: Radio Bremen]
        Die Faulenstraße um 1930. Im Hintergrund zu sehen das Bamberger-Kaufhaus  
               
 
Faulenstraße kommt von "de fuule strat"
Das alte Stephaniviertel versank im Bombenhagel und dem folgenden Feuersturm am 18. und 19.August 1944. Die Zerstörung in Utbremen, Walle und Stephaniquartier war flächendeckend, nur eine Handvoll Gebäude überstanden den Krieg. Mehrere Bilder zeigen endlose Trümmerlandschaften, einzig der halb zerstörte Stephani-Kirchturm ragt noch empor, wie ein trotziges Symbol des Neubeginns.

Ein weit verbreitetes Missverständnis sei an dieser Stelle noch aufgeklärt: die früher verbreitete Bezeichnung Faulenquartier hat nichts mit der Bremer Sage über die "Sieben Faulen" zu tun, sondern die gleichnamige Straße führte früher unbefestigt und ohne jede Verkehrsbedeutung Richtung Norden und hieß deshalb "de fuule strat".

[Autor: Peter Meier-Hüsing]
 
             
      InternMehr über das Stephaniviertel
             
      ArchivBuchtipp-Archiv
             
      DruckversionDruckversion      
 
 
   
  © Radio Bremengeändert am 25.06.2008
   
   I Themen  I Archiv  I Kontakt