 | Horst Eberhard Friedrichs: "Bremerhaven und die Amerikaner" |
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Historischer-Bildband |
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Das Motiv des einen Amerikaners in Paris ist seit dem Musicalfilm "Ein Amerikaner in Paris" mit Gene Kelly und der Musik von George Gershwin von 1951 in alle Richtungen durchdekliniert worden, literarisch, musikalisch, cineastisch. Amerikaner in Bremerhaven hingegen, dazu gab es bislang praktisch nichts, obwohl sie ganz anders mit der Stadtgeschichte ab 1945 verflochten waren als die Franzosen. Ein bisschen hat sich das nun geändert oder gebessert, denn nun wurde im Historischen Museum Bremerhaven der Bildband "Bremerhaven und die Amerikaner" vorgestellt, verfasst von dem pensionierten Betriebswirt und geborenen Bremerhavener Horst-Eberhard Friedrichs. Rückblicke auf eine bewegte, wichtige und prägende Epoche. |
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Einige kamen nur kurz ... Das ist zunächst nur eine Zahl: sechs Millionen! Drei Millionen US-Soldaten gingen von 1945 bis 1965 in Bremerhaven von Truppen-Transportern an Land und genauso viele bestiegen dort wieder die großen Schiffe zur Heimfahrt. Und die Ankunft in Bremerhaven? 1958: "Ich freue mich, hier zu sein", sagte da Elvis und ab ging's nach Friedberg.
Drei Jahre vorher sah es bei Stanley Walden ganz anders aus: "Ich kam an dem Morgen an Deck und sah meinen ersten Deutschen. Er wartete da auf uns, auf dem Dock in Bremerhaven, mit einem schwarzen Ledermantel." Konzertklarinettist Walden kam als Jude aus Brooklyn. "Sofort heißt das bei mir: Gestapo. Und ich dachte: Ne, ich steige nicht aus dem Schiff, ich gehe zurück nach Brooklyn, aber ich bin trotzdem auf dem Schiff hierher gekommen nach Bremerhaven" erinnert sich Walden. Sein Weg ging dann weiter zu Militärorchestern nach Stuttgart und Berlin. |
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... andere blieben in Bremerhaven Andere Musikproduzenten aber blieben in der Stadt. Die Plattenaufleger von AFN etwa, von 1945 bis zum Abzug der US-Truppen 1993. Und die Amerikaner, die da blieben, und was sie mitbrachten, das prägte auch die Bremerhavener Bevölkerung ab 1945, Buchautor Horst-Eberhard Friedrichs etwa. Der war am Kriegsende elf: "Das ging von der Kleidung, von den Uniformen, von den Süßigkeiten, von den Autos, vom Radio, von der Army-Band - die gesamten Interessenbereiche eines Elfjährigen waren so ungeheuerlich über Nacht geändert, dass er vor lauter neuen Eindrücken gar nicht wusste, was er zuerst machen sollte." |
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Verhältnis zwischen Besatzern und Besetzten Diese auch 63 Jahre später noch hörbare Begeisterung für das Neue blieb nun allerdings nicht ganz ungetrübt. "Es gab einen Negativfaktor: Aus Mangel an Wohnraum mussten Räumlichkeiten gesucht werden, und dann wurden die beschlagnahmten Häuser geräumt. Wir sind zweimal aus der Wohnung herausgesetzt worden, und haben zweimal alles da lassen müssen. Nur meine elektrische Eisenbahn, die durfte ich mitnehmen. Alles andere blieb da. Das war schon hart."
Aber insgesamt war nach Friedrichs Einschätzung das Verhältnis zwischen Besatzern und Besetzten in Bremerhaven ungewöhnlich entspannt, wegen vielfältiger Englischkenntnisse in der Bevölkerung, Vorkriegsbeziehungen zu den USA durch den Passagierverkehr des Norddeutschen Lloyd, und die kriegshistorischen Umstände.
Dabei gab es nun zahlreiche Kontakte zwischen der städtischen und der amerikanischen Gesellschaft, angefangen mit den mehreren tausend deutschen Zivilangestellten bei den US-Streitkräften über ein deutsch-amerikanisches Volksfest bis hin zu binational genutzten Gasthäusern und Bordellen.
"Nicht die Amerikaner haben Bremerhaven zerstört, sondern die Nachtflieger der Briten, sie haben Bremerhaven nicht erobert, sondern übernommen, und das sind Faktoren, die ein ganz anderes Verhältnis schaffen, als wenn man erobert und zerstört wird", meint Friedrich. Und nun wurde ja nicht weiter zerstört, sondern schrittweise aufgebaut, im amerikanischen Bereich bis hin zu einer eigenen städtischen Parallelstruktur mit Wohnvierteln, Feuerwehr, Kino und Krankenhaus, eigenen Kirchen, Schulen, Polizisten, Einkaufsmöglichkeiten. |
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Historisches Material über Jahrzehnte gesammelt Horst-Eberhard Friedrichs hat Bremerhaven nach dem Abitur verlassen, aber über Jahrzehnte immer weiter Bilder, meist Zeitungsbilder, zur Entwicklung seiner Heimatstadt gesammelt, nach eigener Aussage wie ein Briefmarkensammler, und erst ein Fremdhinweis brachte ihn dazu, die Bilder mit US-Bezug auszukoppeln und zu strukturieren. Herausgekommen ist nun eine Bilddokumentation mit 36 Kapiteln, die, mit kurzen Erläuterungen versehen, das bremerhavener-amerikanische Verhältnis umfassend, wenn auch nicht erschöpfend abbildet. Am schönsten vielleicht mit dem Hinweisschild vor dem Hundefutter im US-Shopping-Center. Darauf lesen wir: "Don´t forget den Hund!" Genau! |
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Buchtipp-Archiv |
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Druckversion |
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![Buchcover [Quelle: Wirtschaftsverlag]](http://www-origin.radiobremen.de/magazin/kultur/literatur/buchtipps/_bild/00004438.00011103.jpg)
Horst Eberhard Friedrichs:
"Bremerhaven und die Amerikaner: Stationierung der U. S. Army 1945 - 1993, eine Bild-Dokumentation"
Wirtschaftsverlag Nordwest
Juni 2008
€ 19,80
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