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Karl Fruchtmann |
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Eine lange Filmnacht |
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Sendung: 2. August 2003 | NDR/RB-Fernsehen
Der Bremer Filmemacher Karl Fruchtmann ist am 10. Juni 2003 gestorben. Aus
diesem Anlass zeigen wir eine Auswahl seiner Filme:
23.30 Uhr: "Krankensaal 6"
01.15 Uhr: "Kaddisch nach einem
Lebenden"
02.10 Uhr: "Gesche Gottfried"
03.50 Uhr: "Ein einfacher Mensch"
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Karl Fruchtmann |
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Die Suche nach Konfrontation
Karl Fruchtmann überlebte den Holocaust, er war in den Konzentrationslagern
Dachau und Sachsenburg bei Chemnitz und wanderte 1938 nach Palästina aus.
Bis 1958 lebte er in Israel und ging dann zurück nach Deutschland. 45 Filme
hat er seit 1962 gedreht und zahlreiche Auszeichnungen erhalten. Für den
Film Ein einfacher Mensch bekam er den Grimme Preis in Gold. Karl
Fruchtmann: Ich bin in Deutschland geblieben, aus dem selben Grund, aus
dem ich zurückgegangen bin: Um mich mit diesem Land zu konfrontieren.
Zu Beginn seiner Arbeit bestand das Fernsehspiel fast ausnahmslos aus Theateradaptionen,
aber Fruchtmann entwickelte schon in den damaligen Studioproduktionen seine
eigene und unverwechselbare Bildsprache. Für den Film Kaddisch nach
einem Lebenden von 1969 schrieb er zum ersten Mal ein Drehbuch, in das
seine leidvollen Erfahrungen als KZ-Häftling einflossen. Fruchtmann drehte
zum ersten Mal auf Film an Original-Schauplätzen. Er versuchte immer wieder,
den Zuschauer zu konfrontieren; seine Filme sind verstörend und unbequem,
seine Erzählweise besteht aus einem genauen Blick auf Mimik, auf Nuancen,
auf Gesichter, in denen sich Reaktionen und Gefühlsumschwünge ankündigen
können. Wer an Fruchtmann-Filme denkt, hat deshalb auch immer grandiose
Schauspieler vor Augen, mit denen er gearbeitet hat. Einer seiner stärksten
Filme ist Krankensaal 6 von 1974, auch weil er einer der besten
Filme von Helmut Qualtinger ist. Aber auch seine Dokumentation Zeugen
sowie Ein einfacher Mensch gehören zu den einprägsamsten
Formen der Erinnerung an die Barbarei der Nazizeit und an die Leiden der Opfer.
Bernhard Gleim moderiert die lange Filmnacht.
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Krankensaal 6
Der Film spielt gegen Ende des 19. Jahrhunderts in einem russischen Kleinstadt-Krankenhaus.
Der Arzt Ragin verzweifelt in einer von Armut, Schmutz, Elend, Ausbeutung und
Korruption bestimmten Gesellschaft an seiner Aufgabe als Arzt und Helfer. Der
als angeblich Geisteskranker im Krankensaal 6 festgehaltene Beamte Gromow hingegen
glaubt an eine bessere Zukunft. Er ist besessen von revolutionären Ideen
und gleichzeitig gepeinigt von Angstvisionen und Wahnvorstellungen.
Buch: Karl Fruchtmann nach Anton Tschechow
Besetzung:
Helmut Qualtinger (Ragin)
Stefan Wigger (Gromow)
Zalman Leviush (Moyssejka)
Willi Leyrer (Nikita)
Gert Haucke (Sergejytsch)
Franz Kollasch (Chobotow)
Karl-Georg Saebisch (Awerjanytsch)
Trudik Daniel (Darjuscha)u.a.
Produhktionsstab:
Regie:Karl Fruchtmann
Kamera:Günther Wedekind
Musik:Graziano Mandozzi
Szenenbild:Herbert Kirchhoff
Kostüme:Lise-Lotte Leischke
Schnitt:Ingeburg Forth
Länge: 10354 Minuten
Produktion: Radio Bremen; 21. Jan. bis 8. März 1974
Erstausstrahlung: 10. Dezember 1974
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Helmut Qualtinger (Ragin) und Stefan
Wigger (Gromow)
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Ausschnitt
aus "Krankensaal 6" [6'21] |
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Ragin besucht Gromow im Krankensaal 6. Gromow lehnt sich gegen
die Unmenschlichkeit, die in dem Krankenhaus herrscht, auf und fordert von Ragin
eine Erklärung, mit welchem Recht er und die weiteren Insassen im Krankensaal
6 festgehalten werden. Der Arzt, im Laufe der Zeit passiv und melancholisch geworden,
resigniert an dieser Stelle und rät Gromow, sich seinem Schicksal - genau
wie er selbst es längst getan hat - zu ergeben. Gromow will das nicht akzeptieren
und schickt Ragin weg. |
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Stefan Wigger (Gromow, stehend) im "Krankensaal 6" |
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Kaddisch nach einem Lebenden
"Kaddisch" ist das jüdische Totengebet. Hier wird es für
einen Lebenden gesprochen, für Johannes Bach, weil er das Konzentrationslager
nur physisch überlebte.
Peri lebt in Tel Aviv, gewillt, alles Vergangene abzuschütteln, doch seine
Erinnerungen werden zum quälenden Trauma. Gemeinsam mit einem ehemaligen
Leidensgenossen macht er sich auf die Suche nach dem verschollenen Bach und
begegnet ihm - einem harmlosen Idioten - schließlich an einer Straßenecke
irgendwo in Israel.
Buch und Regie: Karl Fruchtmann
Besetzung:
Günter Mack (Peri)
Rudolf Wessely (Bach)
Zalman Leviush (Gurfinkel)
Norbert Kappen (Sprecher)
Walter Blum (Kellner)
Avraham Ronai (Pförtner)
Mordachai Braitbart (Betender Jude)u.a.
Produhktionsstab:
Regie:Karl Fruchtmann
Kamera:Günther Wedekind
Musik:Graziano Mandozzi
Szenenbild:Herbert Kirchhoff
Kostüme:Lise-Lotte Leischke
Schnitt:Ingeburg Forth
Länge: 6459 Minuten
Produktion: Radio Bremen; 14. Mai bis 2. Juli 1968
Erstausstrahlung: 28. Januar 1969
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Günter Mack (Peri), Zalman Leviush (Gurfinkel)

Rudolf Wessely (Bach)

Zalman Leviush (Gurfinkel)

Günter Mack (Peri)

Bach im Lager
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Ausschnitt
aus "Kaddisch nach einem Lebenden" [5'14] |
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Peri trifft in einem Straßencafé in Tel Aviv einen
alten Bekannten wieder: Gurfinkel. Peri und Gurfinkel waren gemeinsam im KZ und
sehen sich nach langer Zeit das erste Mal wieder. Peri, der immer wieder an die
Vergangenheit erinnert wird, erkundigt sich sofort nach weiteren ehemaligen Leidensgenossen.
Besonders Johannes Bach ist Peri in Erinnerung geblieben. Er geht sicher von dessen
Tod aus und ist umso überraschter als Gurfinkel ihm mitteilt, dass Bach überlebt
hat. Aufgrund dieser Begegnung mit Gurfinkel und dessen Auskunft über Bach
beschließt Peri im weiteren Verlauf des Filmes, sich auf die Suche nach
seinem damaligen Mithäftling zu machen. |
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Mehr
zu "Kaddisch nach einem Lebenden" |
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Gesche Gottfried
Gesche Gottfried lebte zur Zeit des Biedermeier, einer Epoche, die konservative
und restaurative Züge aufweist. Politische Unruhen, soziale Missstände
und Gewalt werden verdrängt, Frömmelei und Rührseligkeit dominieren.
Gesche und ihr Tun - sie vergiftet 14 Menschen mit Ratzekraut und Mäusebutter
- stellen diese vermeintliche Idylle und Angepasstheit in Frage. Am 21. April
1831 wird Gesche Gottfried auf dem Bremer Domshof vor 35.000 Zuschauern durch
das Schwert hingerichtet.
Buch und Regie: Karl Fruchtmann
Besetzung:
Sabine Sinjen (Gesche Gottfried)
Rolf Becker (Defensor)
Tilo Prückner (Miltenberg)
Wolf Roth (Gottfried)
Willi Leyrer (Vater Timm)
Ursula Hinrichs (Mutter Timm)
Siemen Rühaak (Bruder Johann) u.a.
Produhktionsstab:
Regie:Karl Fruchtmann
Kamera:Günther Wedekind
Musik:Graziano Mandozzi
Szenenbild:Herbert Kirchhoff
Kostüme:Else Heckmann
Schnitt:Ingeburg Forth
Länge: 9226 Minuten
Produktion: Radio Bremen; 6. Feb. bis 23. März 1978
Erstausstrahlung: 10. Dezember 1978
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Sabine Sinjen (Gesche)

Rolf Becker (Defensor), Sabine Sinjen
(Gesche)

Rolf Becker (Defensor)
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Ausschnitt
aus "Gesche Gottfried" [4'39] |
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Im Jahre 1831 wird Gesche Gottfried - gespielt von Sabine Sinjen - des Mordes
an 14 Menschen angeklagt. In der ausgewählten Szene spricht der "Herr
Defensor" mit der Bremer Giftmörderin über ihre Verteidigung und
über die Gründe, die sie zum Töten getrieben haben. Sie berichtet
ihm und fleht ihn zugleich um Hilfe an. Völlig erschüttert von den monströsen
Taten der Gesche Gottfried, trotz allem Unverständnis und ohne Rücksicht
auf seine Überzeugung bleibt der Verteidiger loyal seiner Mandantin gegenüber,
zweifelt jedoch daran, dass sie ohne die Todesstrafe davonkommt. |
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Gesche wird zur Hinrichtung
geführt |
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Ein einfacher Mensch
Geschildert wird das Leben von Jakow Silberberg. Er war in Auschwitz
Mitglied eines Sonderkommandos und musste an der Verbrennung seiner Glaubensgenossen
mitwirken. Nach der Befreiung wanderte er nach Isarel aus. Als Karl Fruchtmann
ihn traf lebte er als mit seiner Familie als Bäcker in Holon bei Tel Aviv.
.
Buch und Regie. Karl Fruchtmann
Produktion: Karl-Heinz Knippenberg
Kamera: Günther Wedekind
Asher Cohen
Cutting: Annemarie Bremer
Redaktion Jens-Uwe Scheffler
Länge: 103'27 Minuten
Erstausstrahlung: 14. April 1987
Die Produktion des NDR wurde mit dem "Grimme-Preis" in Gold und mit
dem Filmpreis des Landes Rheinland-Palz ausgezeichnet.
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Jakow Silberberg

seine Frau

seine Tochter

sein Sohn
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Ausschnitt
aus "Ein einfacher Mensch" [6'49] |
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Die Szene aus dem Film "Ein einfacher Mensch" zeigt
im Wechsel Jakow Silberbergs Frau, seine Tochter und seinen Sohn, die über
ihn und sein Wesen berichten, während er selbst schweigt. Diese Szene führt
besonders deutlich vor Augen, wie sehr die Zeit in Auschwitz einen Menschen prägen
und verändern kann. Bei Jaokow Silberberg betrifft diese Veränderung
besonders auch seine Familie, die unter seiner Gleichgültigkeit leidet. Sie
beschreiben ihn als verschlossen, desinteressiert und gefühllos. "Du
bist noch in Auschwitz", sagt seine Frau zu ihm, "deine Gefühle
sind tot" - "Und dann sieht er mich an und einmal hat er auch geweint". |
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Biografie |
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Eine
mediengeschichtliche Einordnung |
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Nachruf
und Erinnerungen an Karl Fruchtmann |
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Werke
und Ehrungen |
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Druckversion,
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