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Ein Radio Bremen-Film von Michaela Herold und Susanne Brahms
Ulan Bator, Hauptstadt der Mongolei: Rund 6000 Kilometer von Deutschland entfernt
wird dort erstmals eine deutsche Oper inszeniert. "Die lustigen Weiber
von Windsor", eine komische Oper von Otto Nicolai aus dem 19. Jahrhundert.
Das ist nur möglich gewesen, weil ein Freundeskreis in Deutschland für
die Aufführung Geld und Sponsoren aufgetrieben hat und sich auch ansonsten
um die Oper bemühte: Der Freundeskreis hat Geigensaiten und Mundstücke
für Klarinetten in das bitterarme Land geschickt und auch die Partitur
gestiftet. Das Ergebnis deutsch-mongolischer Zusammenarbeit kann sich sehen
lassen. Brillante Solisten, opulente Kostüme und ein quietschbuntes Bühnenbild,
das hat die Premiere der "Lustigen Weiber" in Ulan Bator ausgezeichnet.
Der Freundeskreis hat auch herausgefunden, wer die Oper eigentlich gebaut hat.
Per Zufall entdeckten sie die Baupläne des Opernhauses in Berlin. So erfuhren
sie: Der Architekt der Oper ist der spätere DDR-Funktionär Gerhard
Kosel. Der überzeugte Kommunist war 1932 in die Sowjetunion emigriert.
1942, mitten im Krieg also, hat er in Sibirien den Auftrag bekommen, eine Oper
zu entwerfen. "Zeichne eine Oper wie die in Leningrad", so lautete
der Befehl der Genossen. Und so sieht die Oper heute auch aus - klassizistisch,
mit Säulenvorbau, rosa-weiß gestrichen, steht sie am riesigen Platz
des Volkes von Ulan Bator. Dass die Oper tatsächlich gebaut worden ist,
hat Gerhard Kosel erst 20 Jahre später zufällig erfahren. Gerhard
Kosel lebt heute in Berlin und hat später den Berliner Fernsehturm, Prestigeobjekt
der DDR, mit entworfen.
Die Dokumentation "Die lustigen Weiber von Ulan Bator" erzählt,
wie unter kärglichen Bedingungen, aber mit großem Engagement in der
Mongolei die deutsche Oper auf die Bühne gebracht wird. Die Zuschauer lernen
die "Tina Turner der Steppe" kennen und einen Regisseur, der mit einem
berühmten Hollywood-Star Dschinghis Khan dreht. Und gesungen wird natürlich
auch, auf mongolisch. Dass das deutschsprachige Publikum die Verse dabei nicht
versteht, ist übrigens kein großer Verlust.
Erstausstrahlung: 16. August 2003 | 3sat
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